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Video-Ident-Missbrauch: Unwissentlich ein Konto oder einen Kredit auf den eigenen Namen legitimieren
Der Video-Ident-Missbrauch ist eine Betrugsform, bei der Betroffene unter einem Vorwand selbst ein Video-Ident-Verfahren durchlaufen und dabei vorgesagte Antworten geben. Dokumentiert sind ein angebliches Jobangebot sowie das Drängen von Mitarbeitenden betrügerischer Trading- oder Dating-Plattformen. Am Ende steht ein Bankkonto oder ein fünfstelliger Kredit auf den eigenen Namen, über den die Betroffenen nicht verfügen können.
Schon reagiert? Direkt zur Soforthilfe „Ich habe Daten oder einen Code preisgegeben"Woran erkennst du sie?
- Das Stellenangebot verspricht gut bezahlte, einfache Arbeit im Homeoffice bei freier Zeiteinteilung, ohne Fachkenntnisse und mit dem Smartphone als einziger Voraussetzung
- Der gesamte Bewerbungsprozess läuft ausschließlich online, ein persönliches Vorstellungsgespräch ist ausdrücklich nicht vorgesehen
- Schon vor jeder Zusage werden ein beidseitiger Ausweisscan, ein Lebenslauf mit Foto und ein Selfie mit dem Ausweis in der Hand verlangt
- Für den angeblichen Identitätscheck wird ein Video-Ident-Verfahren „bei unserer Partnerbank“ oder für ein „Treuhandkonto der Firma“ gefordert; die Zugangsdaten dafür kommen von den angeblichen Arbeitgebern und nicht ins eigene E-Mail-Postfach
- Bewerbende werden angeleitet, im Videochat bestimmte Sätze zu sagen oder den wahren Anlass der Identifizierung nicht zu nennen
- Der Schriftverkehr zwischen Bank, Ident-Dienstleister und bewerbender Person läuft vollständig über die Täter, die dafür eigens eine E-Mail-Adresse angelegt haben
- Als Fassade dienen Namen bekannter Unternehmen, nachgebaute Bewerbungsportale unter einer ähnlichen Webadresse oder frisch registrierte Firmenseiten, die mit langer Marktpräsenz werben
- Abgrenzung zum Fake-Recruiter mit Videointerview: Dort endet die Masche beim Abgreifen von Bewerbungsunterlagen und Ausweiskopien — hier führen Betroffene aktiv eine Legitimierung durch, an deren Ende ein reales Bankkonto auf ihren Namen existiert
- Abgrenzung zum Finanzagenten mit Geldwäschekonto: Dort wird das bereits bestehende eigene Konto für Weiterleitungen missbraucht — hier wird ein zusätzliches, neues Konto eröffnet, von dem Betroffene oft erst durch Post der Bank oder polizeiliche Ermittlungen erfahren
- Zweiter und dritter dokumentierter Einstieg neben dem Jobangebot: Mitarbeitende einer betrügerischen Trading-Plattform, bei der man bereits Geld eingezahlt hat, drängen zum Video-Ident — begründet mit einem „zusätzlichen Konto für die Steuer“, einer Gewinnauszahlung oder angeblich versichertem Handelskapital; in einem weiteren Fall lief der Kontakt über eine Dating-Plattform und einen angeblichen Test des Verfahrens „im Auftrag von Banken“
- Über alle Varianten hinweg gilt dasselbe Erkennungszeichen: Die Antworten für den Videochat werden vorgegeben, und das im Verfahren genannte Produkt passt nicht zu dem, was einem erzählt wurde — es gibt kein seriöses Szenario, in dem man dabei von Dritten instruierte Antworten geben soll
- Beim Trading-Einstieg steht am Ende nicht nur ein Konto, sondern ein fünfstelliger Kredit, der zurückzuzahlen ist; das ausgezahlte Geld sollen Betroffene sofort auf ein angebliches Konto der Plattform weiterleiten
Typischer Ablauf
- Die Täter schalten Stellenanzeigen auf Jobbörsen und Kleinanzeigenportalen oder schreiben Jobsuchende direkt an; teils dienen nachgebaute Karriereseiten bekannter Unternehmen als Kulisse
- Wer sich bewirbt, soll zuerst Ausweiskopie, Lebenslauf mit Foto und ein Selfie mit Ausweis per E-Mail übermitteln
- Kurz darauf folgt die erfreuliche Nachricht, man sei in der engeren Auswahl — nur eine Identifizierung per Video-Ident sei noch nötig, da ja kein persönliches Gespräch stattfinde
- Die Täter liefern eine genaue Anleitung, welche App zu installieren ist, und die Zugangsdaten für das Verfahren; im Hintergrund haben sie die Kontoeröffnung bereits beantragt und dafür eine eigene E-Mail-Adresse hinterlegt
- Die bewerbende Person durchläuft das Video-Ident und legitimiert damit die Eröffnung eines echten Bankkontos auf ihren eigenen Namen; hätte sie im Videochat den wahren Anlass genannt, wäre das Verfahren abgebrochen worden
- Die abschließenden Zugangsdaten zum Onlinebanking gehen an die Täter, die das Konto binnen weniger Tage für Zahlungen aus Fake-Shops und für Geldwäsche einsetzen; solche Konten werden auch weiterverkauft
- Die Einstellung wird mit Hinhaltetaktiken verzögert oder abgesagt; dass ein Konto auf den eigenen Namen existiert, fällt oft erst durch Post der Bank, Rückforderungen anderer Geschädigter oder polizeiliche Ermittlungen auf, die sich zunächst gegen die Kontoinhaberin oder den Kontoinhaber richten
- Variante Trading- oder Dating-Plattform: Statt eines Stellenangebots steht am Anfang eine bereits laufende Geschäfts- oder Chatbeziehung; das Video-Ident wird mit einem Steuerkonto, einer Gewinnauszahlung, versichertem Handelskapital oder einem angeblichen Test „im Auftrag von Banken“ begründet, und die Antworten für den Videochat werden vorgegeben
- Mit dem Abschluss wird ein Kredit bewilligt oder ein Konto eingerichtet, über das die Betroffenen nicht verfügen können; das ausgezahlte Geld sollen sie umgehend auf ein angebliches Plattformkonto weiterleiten — am Ende ist die frühere Einzahlung verloren und zusätzlich ein fünfstelliger Kredit zurückzuzahlen
Typische Formulierungen der Täter
Sinngemäß wiedergegeben, keine wörtlichen Originalzitate.
- „Zur Erweiterung unseres Teams suchen wir motivierte Mitarbeitende in Teilzeit oder auf Minijob-Basis. Fachkenntnisse sind nicht erforderlich, Sie benötigen lediglich ein Smartphone und eine stabile Internetverbindung.“
- „Da bei uns kein persönliches Vorstellungsgespräch stattfindet, müssen wir Ihre Identität einmalig über ein Video-Ident-Verfahren bestätigen. Das ist reine Formsache für unsere Partnerbank.“
- „Bitte installieren Sie die App und verwenden Sie die Zugangsdaten, die wir Ihnen zugeschickt haben. Falls im Videochat gefragt wird, wofür die Identifizierung ist, sagen Sie einfach: Kontoeröffnung.“
- „Ihr vorhandenes Konto melden wir für Sie als Treuhandkonto an. Senden Sie uns dafür bitte noch Ihre IBAN sowie ein gut lesbares Foto von beiden Seiten Ihres Personalausweises.“
- „Die Prüfung Ihrer Unterlagen dauert leider noch etwas — wir warten selbst auf eine Rückmeldung. Sobald alles vorliegt, melden wir uns bei Ihnen.“
- „Für die Auszahlung Ihres Gewinns müssen wir ein zusätzliches Konto für die Steuer verifizieren. Das läuft über ein kurzes Video-Ident — die Antworten gebe ich Ihnen vorher durch.“
- „Ich arbeite für ein Institut, das Video-Ident-Verfahren im Auftrag von Banken testet. Machst du bei einem Testdurchlauf mit?“ — Kontaktaufnahme über eine Dating-Plattform
Was tun, wenn du schon reagiert hast?
Jetzt zählt Geschwindigkeit
- Ein laufendes Video-Ident sofort abbrechen und den Mitarbeitenden des Ident-Dienstleisters offen sagen, dass die Identifizierung im Rahmen einer Bewerbung verlangt wurde — Bewerbungen werden auf diesem Weg nicht verifiziert
- Umgehend die Bank kontaktieren, bei der das Konto eröffnet wurde, den Sachverhalt schildern und um Sperrung und Schließung des Kontos bitten
- Zusätzlich die eigene Hausbank informieren, da auch das bestehende eigene Konto betroffen sein kann
- Keine weiteren Ausweiskopien, Gehaltsnachweise oder Selfies mit Ausweis übermitteln und den Kontakt beenden
- Anzeige bei der örtlichen Polizei erstatten und dazu Screenshots der Stellenanzeige, den vollständigen E-Mail- und Messenger-Verlauf, den angeblichen Arbeitsvertrag und die verwendeten Adressen mitbringen
- Damit rechnen, dass die übermittelten Daten weiter missbraucht werden: Post, Rechnungen, Mahnungen und Vertragsbestätigungen auf den eigenen Namen aufmerksam prüfen und nicht ignorieren
- Bei der SCHUFA und weiteren Auskunfteien die kostenlose Datenkopie anfordern, um Konten und Verträge zu erkennen, die auf den eigenen Namen laufen
- Auf Schreiben von Bank, Behörden oder anderen Geschädigten reagieren und die eigene Rolle mit den gesicherten Unterlagen belegen — als eingetragene Kontoinhaberin oder eingetragener Kontoinhaber bleibt man zunächst in der Pflicht; bei Bedarf unabhängigen rechtlichen Rat einholen
- Wenn im Zuge des Verfahrens Geld ausgezahlt wurde: nichts weiterleiten, auch nicht auf ein angeblich eigenes oder ein Plattformkonto — und die auszahlende Bank sofort über den Hintergrund informieren
- Bei einem Kredit, der auf diesem Weg zustande gekommen ist, den Vertrag gegenüber der Bank schriftlich beanstanden, alle Nachweise zum Zustandekommen sichern und die kostenlose Beratung der Verbraucherzentrale nutzen
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- POSTIDENT-Missbrauch: Mit der eigenen Identifizierung einen fremden Kredit legitimieren
Quellen
- Polizeiliche Prävention Niedersachsen (Ratgeber Internetkriminalität) — Vorsicht bei Online-Jobsuche mit Video-Ident-Verfahren
- Polizeiliche Prävention Niedersachsen — Gefälschte Jobangebote: Täter eröffnen Bankkonten oder missbrauchen bestehendes Konto
- Verbraucherzentrale — Videoident-Verfahren: Warnung vor Missbrauch
Redaktionell geprüft, Stand 9.8.2026. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung — bei Rechtsfragen hilft die Soforthilfe-Strecke mit Verweis auf Anwalt und Verbraucherzentrale.