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POSTIDENT-Missbrauch: Mit der eigenen Identifizierung einen fremden Kredit legitimieren
POSTIDENT-Missbrauch für Kreditabschluss ist eine Betrugsform, bei der Kriminelle Betroffene dazu bringen, ein Identifizierungsverfahren zu durchlaufen oder einen Freischaltcode weiterzugeben — getarnt als harmlose Kontoprüfung, Sicherheitsmaßnahme oder Verkaufsfreischaltung. Tatsächlich legitimiert die Identifizierung damit einen Kreditvertrag auf den eigenen Namen, von dem die Betroffenen nichts wissen.
Schon reagiert? Direkt zur Soforthilfe „Ich habe Daten oder einen Code preisgegeben"Woran erkennst du sie?
- Die Aufforderung zur Identifizierung kommt von außen — als Brief, E-Mail, zugeschickter Link, Vorgangsnummer oder Bitte einer fremden Person — und nicht aus einem Vorgang, den man selbst angestoßen hat
- Als Anlass wird etwas genannt, das mit einer Identifizierung nichts zu tun hat: eine „Kontoprüfung“, ein „Sicherheits-Update“, eine „Verkaufsfreischaltung“ oder eine „Sicherheitsgarantie“ für einen privaten Verkauf
- Bei jedem POSTIDENT-Vorgang wird der Auftraggeber genannt — auf dem Papier-Coupon, auf dem Sign-Pad in der Filiale und in der App. Steht dort ein unbekanntes Unternehmen oder eine fremde Bank, passt das nicht zum angeblichen Anlass
- Teils kommen gefälschte Bankschreiben zum Einsatz, die dem Auftritt der eigenen Hausbank nachempfunden sind und denen ein Coupon beiliegt
- Bei privaten Verkaufsanzeigen drängen angebliche Käufer:innen die verkaufende Person zur Identifizierung; echte Käuferschutz- oder Garantieverfahren verlangen so etwas nicht
- Freischaltcodes, TANs oder Vorgangsnummern sollen an Dritte weitergegeben werden — ein Schritt, den kein seriöses Verfahren vorsieht
- Künstliche Zeitnot, etwa mit der Behauptung, das Konto werde sonst gesperrt oder die Frist laufe ab
- Seriöse Banken fordern Identitätsprüfungen nicht über Makler, Jobportale oder private Käufer:innen an
- Ein abgeschlossenes Ident-Verfahren ist rechtlich bindend wie eine Unterschrift; die Verbraucherzentrale berichtet von Kreditsummen von 20.000 Euro und mehr, die auf diesem Weg auf fremde Namen aufgenommen wurden
Typischer Ablauf
- Die Täter beantragen bei einer Bank, mit der die betroffene Person nichts zu tun hat, einen Kredit auf deren Namen und hinterlegen dabei eigene Kontaktdaten
- Für die gesetzlich vorgeschriebene Identitätsprüfung wird ein Ident-Vorgang angestoßen; Coupon, Link oder Vorgangsnummer laufen über die Täter
- Die betroffene Person wird kontaktiert — mit einem gefälschten Bankschreiben samt Coupon, mit einem zugeschickten Link oder, als private:r Verkäufer:in, von einem angeblichen Käufer
- Als Grund wird eine Kontoprüfung, ein Sicherheits-Update oder eine Freischaltung für den Verkauf genannt; Zeitdruck soll das Nachfragen verhindern
- Die betroffene Person geht in die Filiale oder öffnet die App, weist sich aus und schließt den Vorgang ab — oder gibt den erhaltenen Freischaltcode weiter
- Damit ist der Kreditvertrag legitimiert; die Auszahlung geht auf ein Konto, über das die Täter verfügen
- Betroffene erfahren davon meist erst durch Vertragsunterlagen, die erste fällige Rate, Mahnungen oder einen Eintrag bei einer Auskunftei
Typische Formulierungen der Täter
Sinngemäß wiedergegeben, keine wörtlichen Originalzitate.
- Brief im Auftritt der eigenen Hausbank: „Zur Bestätigung Ihrer Kundendaten ist eine einmalige Identifizierung erforderlich. Bitte legen Sie den beiliegenden Coupon in einer Filiale vor.“
- Nachricht eines angeblichen Käufers auf eine private Verkaufsanzeige: „Für die Sicherheitsgarantie des Kaufs müssen Sie sich als Verkäufer einmalig identifizieren. Ohne diesen Schritt kann die Zahlung nicht freigegeben werden.“
- „Bitte senden Sie mir den Freischaltcode, den Sie gleich erhalten — damit schalte ich Ihr Verkäuferkonto frei.“
- „Ihr Konto wird aus Sicherheitsgründen gesperrt, wenn die Identitätsprüfung nicht innerhalb von 48 Stunden abgeschlossen ist.“
- Auf dem Sign-Pad in der Postfiliale erscheint als Auftraggeber der Name einer Bank, bei der man noch nie Kunde war.
Was tun, wenn du schon reagiert hast?
Jetzt zählt Geschwindigkeit
- Einen laufenden Ident-Vorgang sofort abbrechen — auch mitten in der Filiale oder in der App; ein unbekannter Auftraggeber auf Coupon oder Sign-Pad ist allein schon Grund genug
- Keine TANs, Freischaltcodes oder Vorgangsnummern an Dritte weitergeben, auch nicht an angebliche Käufer:innen oder Bankmitarbeitende
- Sofort die eigene Bank über die offiziell recherchierte Telefonnummer kontaktieren — nie über eine Nummer aus dem Schreiben — und den Vorgang schildern; schnelles Handeln kann die Auszahlung des Kredits noch verhindern
- Umgehend Anzeige bei der Polizei erstatten, auch über die Online-Wache des jeweiligen Bundeslandes möglich, und Schreiben, Coupon, Chatverlauf sowie Vorgangsnummer als Beweismittel sichern
- Die Bank, deren Name auf Coupon oder Sign-Pad stand, direkt kontaktieren, den Missbrauch melden und dem Kreditvertrag schriftlich widersprechen
- Beweislast beachten: Wer eine Forderung stellt, muss den wirksamen Vertragsschluss nachweisen; auf Schreiben und Mahnungen reagieren statt sie zu ignorieren und bei einem gerichtlichen Mahnbescheid innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung Widerspruch beim Gericht einlegen
- Kostenlose Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO bei der SCHUFA und weiteren Auskunfteien anfordern, um weitere Verträge auf den eigenen Namen zu erkennen, und den Identitätsmissbrauch dort melden
- Bei Verdacht auf kopierte oder abfotografierte Ausweisdaten die Online-Ausweisfunktion (eID) sperren lassen und sich bei der Verbraucherzentrale kostenlos beraten lassen
Verwandte Maschen
- Gefälschter Zahlungsbeleg: Ware raus, bevor das Geld da ist
- Falsche Inkasso-Forderung: Mahnung für nie bestellte Ware
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- Bezahlte Portale für die kostenlose Auskunft: Geld für ein Recht, das gratis ist
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- Video-Ident-Missbrauch: Unwissentlich ein Konto oder einen Kredit auf den eigenen Namen legitimieren
Quellen
- Verbraucherzentrale — Achtung Kredit-Falle: Betrug mit gefälschten POSTIDENT-Anfragen (Stand 09.04.2026)
- Verbraucherzentrale — Video-Ident-Verfahren: Warnung vor Missbrauch (Stand 07.10.2025)
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes — Identitätsdiebstahl
Redaktionell geprüft, Stand 9.8.2026. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung — bei Rechtsfragen hilft die Soforthilfe-Strecke mit Verweis auf Anwalt und Verbraucherzentrale.