Vollmachtsmissbrauch vor-ort
Vollmachtsmissbrauch bei Senioren: Wenn vermeintlich hilfsbereite Bekannte Konten plündern
Vollmachtsmissbrauch bei Senioren ist eine Betrugsform, bei der vermeintlich hilfsbereite Bekannte, Nachbarn oder Verwandte das Vertrauen älterer, oft gesundheitlich eingeschränkter Menschen ausnutzen. Sie bieten zunächst Unterstützung an, lassen sich General- oder Kontovollmachten ausstellen und nutzen diese, um Konten zu plündern, Vermögen zu verschieben oder die betroffene Person von ihrer Familie zu isolieren.
Schon reagiert? Direkt zur Soforthilfe „Ich habe Geld überwiesen"Woran erkennst du sie?
- Täter geben sich zunächst als hilfsbereite Nachbarn, Bekannte oder entfernte Verwandte aus und bauen gezielt Vertrauen zur betroffenen Person auf
- Es werden Bankvollmachten oder Online-Banking-Zugänge erbeten, oft mit der Begründung, die bisherige Bankberatung sei schlecht oder unsicher
- Bestehende Geldanlagen sollen angeblich aufgelöst werden, weil sie „unsicher“ seien
- Angehörige, die einschreiten könnten, werden gezielt diskreditiert mit der Behauptung, diese würden sich nicht ausreichend kümmern
- Betroffen sind vor allem ältere Menschen mit körperlichen oder beginnenden kognitiven Einschränkungen, die sich schwer selbst wehren können
- Es erfolgt keine nachvollziehbare Abrechnung über getätigte Ausgaben, vollständige Kontoauszüge werden zurückgehalten oder verweigert
Typischer Ablauf
- Täter nähern sich einer älteren, oft alleinstehenden oder erkrankten Person an und übernehmen zunächst kleine Hilfstätigkeiten wie Einkäufe oder Bankgänge
- Schrittweise wird eine General- oder Vorsorgevollmacht sowie ein Online-Banking-Zugang erbeten, häufig mit dem Argument, dies diene nur der Absicherung im Notfall
- Mit der Vollmacht werden Konten geleert, Wertgegenstände veräußert oder Vermögen auf eigene Konten verschoben
- Angehörige, die einschreiten könnten, werden gezielt schlechtgeredet oder vom Kontakt zur betroffenen Person ferngehalten
- Notwendige Pflege, Arztbesuche oder Ausgaben für die betroffene Person werden vernachlässigt, während Gelder anderweitig verwendet werden
- Der Missbrauch fällt oft erst auf, wenn Angehörige nach langer Zeit wieder Kontakt aufnehmen oder die betroffene Person verstirbt
Typische Formulierungen der Täter
Sinngemäß wiedergegeben, keine wörtlichen Originalzitate.
- „Ich kümmere mich gerne um deine Bankgeschäfte, das ist doch viel bequemer für dich“ — als Einstieg, um Zugriff auf Konten zu bekommen
- „Deine Kinder kümmern sich doch eh nicht richtig um dich, lass mich das lieber machen“ — um Angehörige gezielt auszugrenzen
- „Diese Geldanlage ist unsicher, das lösen wir besser auf und ich verwalte das Geld für dich“ — als Vorwand, um Vermögen auf eigenen Zugriff zu verschieben
Was tun, wenn du schon reagiert hast?
Jetzt zählt Geschwindigkeit
- Bei Verdacht die erteilte Vollmacht unverzüglich schriftlich widerrufen und Banken sowie relevante Institutionen darüber informieren
- Kontoauszüge und Vermögensbewegungen der letzten Zeit genau prüfen und lückenlos dokumentieren
- Strafanzeige bei der Polizei stellen, insbesondere wenn der Bevollmächtigte ein Angehöriger ist
- Beim zuständigen Betreuungsgericht eine Kontrollbetreuung anregen, wenn ein Missbrauch der Vollmacht vermutet wird
- Bei Verdacht auf Isolation oder akute Gefährdung zusätzlich die Betreuungsbehörde einschalten
- Für die Zukunft zwei sich gegenseitig kontrollierende Bevollmächtigte einsetzen oder eine notariell beurkundete Vollmacht mit klaren Beschränkungen wählen
Verwandte Maschen
Quellen
- polizei-beratung.de — Vollmachtsmissbrauch und Erbschleicherei
- Polizei Berlin — Vorsicht: Vorsorgevollmacht (Präventionsangebot LKA 222)
Redaktionell geprüft, Stand 9.8.2026. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung — bei Rechtsfragen hilft die Soforthilfe-Strecke mit Verweis auf Anwalt und Verbraucherzentrale.