Malvertising website
Malvertising: Die gefälschte Download-Seite hinter der Suchanzeige
Malvertising ist eine Betrugsform, bei der Kriminelle bezahlte Suchanzeigen auf bekannte Softwarenamen buchen. Wer den Namen sucht und auf die oberste Anzeige klickt, landet auf einer täuschend echt nachgebauten Seite, die eine Störung oder ein dringend nötiges Update vortäuscht und den Download über eine Alternativseite anbietet. Installiert wird Schadsoftware.
Schon reagiert? Direkt zur Soforthilfe „Ich habe auf einen Link geklickt oder eine Datei geöffnet"Woran erkennst du sie?
- Der Einstieg ist die eigene, bewusste Suche: Betroffene tippen aus eigenem Antrieb den Namen einer legitimen, verbreiteten Software in die Suchmaschine — es gibt kein unaufgefordertes Popup, keine Mail und keinen Anruf, der die Situation ausgelöst hätte
- Der Treffer ganz oben ist eine bezahlte Anzeige, erkennbar nur an einem kleinen Hinweis wie „Gesponsert“ oder „Anzeige“; Anzeigen stehen inzwischen vor den organischen Treffern und sind von ihnen zunehmend schlecht zu unterscheiden
- Die Inhalte hinter Suchanzeigen werden von den Suchmaschinen in der Regel nur oberflächlich geprüft — auch unseriöse Anbieter können sich dahinter verbergen
- Die Zielseite bildet den Auftritt der gesuchten Marke bis ins Detail nach: Logo, Farben, Schriftbild und Seitenaufbau stimmen, teils wird sogar ein gültiges Zertifikat eingesetzt, sodass das Schloss-Symbol im Browser Sicherheit suggeriert
- Vorgetäuscht wird ein Grund, warum der normale Weg gerade nicht funktioniert: eine angebliche Störung, eine Wartung oder ein zwingend nötiges Update — genau das erklärt, weshalb nicht die offizielle Downloadseite genutzt werden soll
- Weitergeleitet wird auf eine „Alternativseite“, einen „Spiegelserver“ oder einen externen Downloadlink statt auf die Herstellerseite; die Internetadresse enthält dabei Tippfehler, Zusatzwörter oder eine unerwartete Endung
- Heruntergeladen wird eine ausführbare Installationsdatei, deren Name und Symbol exakt dem echten Produkt entsprechen; die Schadkomponente ist darin versteckt und wird beim Installieren vom Opfer selbst gestartet
- Dieselbe Anzeigenlogik wird auch über automatisch ausgespielte Werbeflächen auf ansonsten seriösen Webseiten genutzt, sodass die Weiterleitung nicht zwingend aus der Suchmaschine kommen muss
- Abgrenzung zu den benachbarten Einträgen: Bei scareware-fake-virenwarnung-browser öffnet sich ungefragt ein Popup mit Countdown auf einer gerade besuchten Seite; rogueware-gefaelschtes-virenschutzprogramm beschreibt ein bereits installiertes Fake-Programm; fake-hotline-google-suche läuft ebenfalls über Suchanzeigen, führt aber zu einer Telefonnummer — hier ist das Ziel ein Download
Typischer Ablauf
- Kriminelle buchen bezahlte Suchanzeigen auf den Namen einer weit verbreiteten Software oder bringen eine präparierte Seite mit Suchmaschinenoptimierung nach vorne — sie nutzen aus, dass Suchende den obersten Treffern Seriosität zuschreiben
- Die Nutzerin oder der Nutzer sucht den Softwarenamen, um das Programm herunterzuladen oder zu aktualisieren, und klickt auf einen der obersten Treffer
- Es öffnet sich eine nachgebaute Seite im Look der gesuchten Marke, die eine Störung, eine Wartung oder ein dringend nötiges Update meldet
- Aufgefordert wird, den Download über eine angegebene Alternativseite auszuführen, weil der reguläre Weg angeblich gerade nicht zur Verfügung steht
- Statt der gesuchten Anwendung wird ein Schadprogramm heruntergeladen; die Installation startet die Nutzerin oder der Nutzer selbst, Sicherheitswarnungen von Browser oder Betriebssystem werden dabei als bekanntes Problem abgetan
- Im Hintergrund beginnt die Schadsoftware zu arbeiten: Sie kann Tastatureingaben und im Browser gespeicherte Zugangsdaten abgreifen, Online-Banking-Daten manipulieren, weitere Schadprogramme nachladen oder das Gerät in ein Botnetz einbinden
- Weil die eigentlich gewünschte Funktion oft trotzdem bereitsteht, bleibt die Infektion lange unbemerkt und fällt erst durch übernommene Konten oder unberechtigte Abbuchungen auf
Typische Formulierungen der Täter
Sinngemäß wiedergegeben, keine wörtlichen Originalzitate.
- Im Suchergebnis: ein Treffer mit dem exakten Produktnamen als Titel, darüber nur der kleine Hinweis „Gesponsert“; die angezeigte Adresse ähnelt der echten, weicht aber in einem Wort oder in der Endung ab
- Auf der Zielseite: „Es liegt derzeit eine technische Störung vor. Bitte laden Sie die Anwendung über unseren alternativen Downloadserver herunter.“
- Alternative Aufmachung: „Ihre Version wird nicht mehr unterstützt. Installieren Sie das erforderliche Update, um den Dienst weiter nutzen zu können.“
- Nach dem Klick startet der Download einer Installationsdatei, deren Name exakt dem Produktnamen entspricht — der Browser fragt lediglich, ob die Datei behalten werden soll
- Beim Ausführen meldet das Betriebssystem einen unbekannten Herausgeber; auf der Seite steht dazu vorsorglich: „Diese Warnung können Sie ignorieren.“
Was tun, wenn du schon reagiert hast?
Jetzt zählt Geschwindigkeit
- Das Gerät sofort vom Internet trennen und von diesem Gerät aus keine weiteren Anmeldungen mehr vornehmen, damit die Schadsoftware keine Zugangsdaten mitliest und nichts nachlädt
- Die heruntergeladene Datei nicht erneut ausführen, das Programm über die reguläre Programm- beziehungsweise Softwareverwaltung des Betriebssystems deinstallieren und anschließend einen vollständigen Scan mit einem aktuellen, vertrauenswürdigen Virenschutzprogramm durchführen
- Nach einer Infektion lässt sich nur schwer mit Sicherheit sagen, dass alles entfernt wurde: Sicherer ist es, das System aus einer sauberen Datensicherung neu aufzusetzen oder das Betriebssystem neu zu installieren, notfalls mit fachlicher Hilfe
- Von einem anderen, nachweislich sauberen Gerät aus alle Passwörter ändern, die auf dem betroffenen Rechner genutzt oder im Browser gespeichert waren — zuerst E-Mail-Konto, Online-Banking und Shops — und überall Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren
- Kontoumsätze und Kartenabrechnungen engmaschig prüfen, die Bank informieren und im Zweifel Karten über die Bank oder den Sperr-Notruf 116 116 sperren lassen; unberechtigte Buchungen unverzüglich reklamieren
- Die gefälschte Anzeige und die Zielseite bei der Suchmaschine melden, damit sie aus der Ausspielung genommen werden können
- Anzeige bei der Polizei erstatten, auch online über die Online-Wache des jeweiligen Bundeslandes; Screenshots der Anzeige, der Zielseite und der heruntergeladenen Datei vorher sichern
- Künftig Software ausschließlich direkt beim Hersteller beziehen: Adresse selbst in die Browserzeile eintippen oder ein Lesezeichen nutzen, Treffer mit dem Hinweis „Gesponsert“ oder „Anzeige“ meiden, einen Werbeblocker sowie Browser-Sicherheitserweiterungen einsetzen und Betriebssystem, Browser und Virenschutz aktuell halten
Verwandte Maschen
- Tech-Support-Scam: Der falsche Microsoft-Mitarbeiter am Telefon
- Fake-Hotline: Die falsche Servicenummer aus der Google-Suche
- Scareware: Die gefälschte Virenwarnung mit Countdown im Browser
- Fake-Bank-App-Update: Die gefälschte Update-SMS fürs Online-Banking
- Online-Banking-Trojaner: Wenn Schadsoftware die Überweisung im Browser manipuliert
- Rogueware: Das gefälschte Virenschutzprogramm auf dem eigenen Rechner
Quellen
- BSI — Newsletter „Einfach • Cybersicher“ vom 01.07.2026 (gefälschte Fehlerseiten über Suchanzeigen mit Schadsoftware-Download)
- BSI — SEO-Poisoning: Phishing über Suchmaschinen
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes — Phishing mit Anzeigen auf Websites und in Suchmaschinen (14.07.2025)
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes — Vorsicht beim Download von Software aus dem Internet
- Verbraucherzentrale — Schadprogramme: Welche es gibt, was sie anrichten, wie Sie sich schützen
- Verbraucherzentrale — Wie Suchmaschinenergebnisse von Werbung beeinflusst werden
Redaktionell geprüft, Stand 9.8.2026. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung — bei Rechtsfragen hilft die Soforthilfe-Strecke mit Verweis auf Anwalt und Verbraucherzentrale.