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Fake Customer Trick: Falsche Großkunden bestellen auf Rechnung und lassen ins Ausland liefern
Der Fake Customer Trick ist eine Betrugsform, bei der sich Täter per E-Mail als Einkäufer real existierender Unternehmen ausgeben, bei mittelständischen Lieferanten hochwertige Ware auf Rechnung bestellen und ihre Zahlungsfähigkeit mit gefälschten Bilanzen belegen. Die Lieferung geht über eine beauftragte Spedition an eine Adresse im Ausland. Dort verschwinden Ware und Auftraggeber, bezahlt wird nie.
Woran erkennst du sie?
- Anbahnung, Verhandlung und Abwicklung laufen fast ausschließlich per E-Mail; ein belastbarer Erstkontakt über bekannte Telefonnummern oder ein persönlicher Termin fehlt
- Die Absenderadresse ähnelt der echten Domain des angeblichen Kunden bis auf ein Detail — etwa eine abweichende Top-Level-Domain oder einen zusätzlichen Bestandteil im Domainnamen
- Als Ansprechpartner werden Namen genannt, die es beim echten Unternehmen tatsächlich gibt; teils handelt es sich um Kopien echter E-Mails, bei denen nur die Kontaktdaten ausgetauscht wurden
- Branche, Sortiment und Auftragsvolumen passen auffällig gut zusammen, sodass die Bestellung ins Bild passt und nicht weiter auffällt
- Fachbegriffe und branchenübliche Formulierungen erwecken über den gesamten Bestellprozess hinweg einen professionellen, seriösen Eindruck
- Es wird sofortige Zahlungsbereitschaft signalisiert und die Bonität auf Nachfrage mit gefälschten Bilanzen oder Jahresabschlüssen nachgewiesen
- Geliefert werden soll an eine eigens eingerichtete Adresse im Ausland — häufig in Großbritannien —, den Transport beauftragen die vermeintlichen Kunden selbst über eine im Internet gebuchte internationale Spedition
- Im Visier stehen vor allem mittelständische Betriebe der Metall-, Automobil- und Lebensmittelindustrie; der Schaden je Fall liegt häufig im sechsstelligen Bereich
- Abgrenzung zu den Nachbarmaschen: Beim Lieferantenbetrug mit gefälschter Bankverbindung wird eine echte Zahlung auf ein Täterkonto umgeleitet, beim Frachtbetrug mit Phantomfrachtführer trifft es das Transportunternehmen — hier wird die auf Rechnung gelieferte Ware selbst abgezweigt und der Lieferant bleibt auf der offenen Forderung sitzen
Typischer Ablauf
- Die Täter wählen einen Lieferanten aus, dessen Sortiment zu einem plausiblen Großkunden derselben Branche passt
- Sie richten eine Absenderadresse ein, die der echten E-Mail-Adresse dieses Kunden zum Verwechseln ähnlich sieht, und nehmen im Namen eines dort tätigen Einkäufers Kontakt auf
- Per E-Mail wird ein Geschäft mit hohem Auftragsvolumen angebahnt und verhandelt; Fachvokabular und branchenübliche Abläufe untermauern den seriösen Eindruck
- Kommen Fragen zur Zahlungsfähigkeit auf, werden gefälschte Bilanzen als Bonitätsnachweis nachgereicht und die sofortige Zahlungsbereitschaft betont
- Die Bestellung erfolgt auf Rechnung; als Lieferziel dient eine eigens angemietete Adresse im Ausland, der Transport wird über eine im Internet beauftragte internationale Spedition organisiert
- Nach der Auslieferung verschwinden Ware und Auftraggeber, die E-Mail-Adresse antwortet nicht mehr, die Rechnung bleibt unbezahlt
- Zweifel entstehen meist erst, wenn die Zahlung ausbleibt und beim echten Unternehmen über dessen offizielle Kontaktdaten nachgefragt wird — dort ist von einer Bestellung nichts bekannt, auch dieses Unternehmen ist durch den Missbrauch seiner Identität geschädigt
Typische Formulierungen der Täter
Sinngemäß wiedergegeben, keine wörtlichen Originalzitate.
- „Dear Sir or Madam, we are interested in placing a substantial order with your company. Please find our current requirements attached and send us your best quotation including delivery terms.“
- „Wir sind an einer längerfristigen Geschäftsbeziehung interessiert und würden gerne mit einer größeren Erstbestellung beginnen. Die Zahlung erfolgt wie in unserem Haus üblich per Rechnung nach Wareneingang.“
- „Anbei erhalten Sie unsere Jahresabschlüsse der letzten beiden Geschäftsjahre als Bonitätsnachweis. Sie sehen, dass die Zahlungsfähigkeit außer Frage steht.“
- „Bitte liefern Sie nicht an unsere Hauptadresse, sondern an unser Lager. Die Spedition ist von uns bereits beauftragt und meldet sich zur Abholung direkt bei Ihnen.“
- „Für Rückfragen zu diesem Auftrag antworten Sie bitte ausschließlich auf diese E-Mail — unsere Zentrale ist wegen einer Systemumstellung derzeit schwer erreichbar.“
Was tun, wenn du schon reagiert hast?
Jetzt zählt Geschwindigkeit
- Keine weitere Ware freigeben und bereits laufende Sendungen, soweit möglich, über die Spedition stoppen oder zurückrufen lassen
- Den Kunden über die Kontaktdaten verifizieren, die auf dessen offizieller Internetseite hinterlegt sind — nicht über die Angaben in der E-Mail und nicht über den Antwort-Button
- Die Absenderadresse Zeichen für Zeichen mit der echten Domain abgleichen, einschließlich Top-Level-Domain, und die vollständigen Kopfzeilen der E-Mails auswerten lassen
- Den gesamten Schriftverkehr, die Bestellunterlagen, die vorgelegten Bilanzen, die Lieferpapiere und den Speditionsauftrag revisionssicher sichern
- Anzeige bei der Polizei erstatten — auch dann, wenn es beim Versuch geblieben ist, da die Fälle sonst nicht im Lagebild auftauchen
- Das Unternehmen informieren, dessen Identität für die Bestellung verwendet wurde; es ist selbst geschädigt und kann eigene Schritte einleiten
- Vertrieb, Auftragsannahme und Buchhaltung über die Masche informieren und feste Regeln verankern: Bonitätsprüfung über eine Wirtschaftsauskunftei statt über zugesandte Unterlagen, Rückruf ausschließlich über selbst recherchierte Nummern, Vier-Augen-Prinzip bei Neukundenaufträgen
- Bei Erstgeschäften mit neuen Kunden nicht auf Rechnung liefern, sondern Vorkasse, Akkreditiv oder eine Warenkreditversicherung nutzen — besonders bei Lieferadressen, die nicht zum Firmensitz des Kunden passen
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Quellen
- Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes — E-Commerce: Fake Customer Trick
- IHK Reutlingen — Polizei warnt vor falschen Kunden (Meldung des Landeskriminalamts Baden-Württemberg)
Redaktionell geprüft, Stand 9.8.2026. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung — bei Rechtsfragen hilft die Soforthilfe-Strecke mit Verweis auf Anwalt und Verbraucherzentrale.