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Abzocke mit angeblicher Schuldnerberatung: Gebühren statt Entschuldung
Die Abzocke mit angeblicher Schuldnerberatung ist eine Betrugsform, bei der gewerbliche Anbieter überschuldeten Menschen schnelle Soforthilfe und eine einzige niedrige Monatsrate versprechen. Tatsächlich wird von dieser Rate vor allem das eigene Honorar bedient, die Schulden bei den Gläubigern bleiben bestehen — obwohl es anerkannte Schuldnerberatung kostenlos gibt.
Schon reagiert? Direkt zur Soforthilfe „Ich habe Geld überwiesen"Woran erkennst du sie?
- Reißerische Werbung mit „schneller Soforthilfe“, „schuldenfrei in wenigen Monaten“ oder „Schluss mit Mahnungen“, oft über Suchanzeigen, Social Media oder unaufgeforderte Anrufe
- Versprochen wird, es müsse nur noch eine Rate an den Schuldenregulierer gezahlt werden — davon werden laut Verbraucherzentrale häufig vor allem dessen Gebühren bedient, nicht die Forderungen der Gläubiger
- Undurchsichtige Kostenstruktur: Die Gesamtkosten werden nicht klar dargelegt, es fallen laufende Gebühren für reine Verwaltungstätigkeiten an
- Doppelte Kosten, weil ein „Berater“ ohne Rechtsberatungsbefugnis nur die Daten aufnimmt und die Unterlagen dann an eine Kanzlei weiterreicht
- Beratung findet ausschließlich online oder telefonisch statt, oder es kommt umgekehrt ein Vertreter zum Hausbesuch statt zu einem Termin in Büroräumen
- Druck zur schnellen Vertragsunterschrift, ohne Bedenkzeit und ohne vollständige Unterlagen
- Es werden mehrere Verträge gleichzeitig abgeschlossen, deren Zusammenhang unklar bleibt
- Unter dem Etikett „Finanzsanierung“ wird tatsächlich ein weiterer Kredit vermittelt, statt die Überschuldung zu lösen
- Der Kontrast zur anerkannten Beratung: Angebote von Kommunen, Wohlfahrtsverbänden und Verbraucherzentralen sind kostenlos, haben aber teils Wartelisten — genau diese Wartezeit nutzen unseriöse Anbieter als Verkaufsargument
Typischer Ablauf
- Überschuldete Menschen suchen unter Druck nach Hilfe und stoßen auf Werbung, die sofortige Termine und schnelle Entschuldung verspricht
- Im ersten Gespräch wird eine Lösung in Aussicht gestellt: eine einzige monatliche Rate, die angeblich alle Gläubiger bedient
- Es wird zur schnellen Unterschrift gedrängt, oft direkt am Telefon, online oder beim Hausbesuch, teils über mehrere Verträge auf einmal
- Die monatlichen Zahlungen fließen zunächst in Gebühren und Honorare, die Gläubiger erhalten wenig oder nichts
- Mahnungen, Inkassoschreiben und Vollstreckungsmaßnahmen laufen deshalb weiter, obwohl gezahlt wird
- Statt einer Entschuldung entsteht zusätzliche Verschuldung, teils durch einen zusätzlich vermittelten Kredit
- Bei Kündigungsversuchen werden weitere Gebühren oder Restforderungen geltend gemacht
Typische Formulierungen der Täter
Sinngemäß wiedergegeben, keine wörtlichen Originalzitate.
- „Schuldenfrei ohne Privatinsolvenz — wir verhandeln mit allen Gläubigern, Sie zahlen nur noch eine einzige Rate.“
- „Termine bei der kostenlosen Schuldnerberatung bekommen Sie erst in Monaten. Wir starten noch heute.“
- „Unsere Finanzsanierung fasst Ihre Verbindlichkeiten zusammen — Sie brauchen dafür nur diesen Vertrag zu unterschreiben.“
- „Ein Mitarbeiter kommt zu Ihnen nach Hause, dann ist alles in einem Termin erledigt.“
Was tun, wenn du schon reagiert hast?
Jetzt zählt Geschwindigkeit
- Nichts sofort unterschreiben und keine Vorauszahlung leisten — Angebote grundsätzlich schriftlich mit vollständiger Kostenaufstellung geben lassen
- Kostenlose, anerkannte Schuldner- und Insolvenzberatung nutzen: Sie wird von Kommunen, Wohlfahrtsverbänden und Verbraucherzentralen angeboten; die Schuldnerberatung der Caritas etwa ist kostenlos und wird über Zuschüsse von Städten und Gemeinden finanziert
- Bereits unterschrieben: Prüfen, ob ein Widerrufsrecht besteht — bei Verträgen am Telefon, im Internet oder an der Haustür sind das in der Regel 14 Tage
- Vertrag und Zahlungsplan von der Verbraucherzentrale oder einer anerkannten Beratungsstelle prüfen lassen
- Erteilte Lastschriftmandate und Daueraufträge stoppen und Abbuchungen kontrollieren
- Nachweise anfordern, welche Beträge tatsächlich an welche Gläubiger geflossen sind
- Alle Unterlagen, Werbeaussagen und Gesprächsnotizen sichern und den Anbieter der Verbraucherzentrale melden
- Auf keinen Fall zusätzliche Kredite aufnehmen, um laufende Beratungsgebühren zu bezahlen
Verwandte Maschen
Quellen
- Verbraucherzentrale — Schuldnerberatungen: So erkennen Sie unseriöse Angebote
- Verbraucherzentrale Brandenburg — Schuldnerberatungen: So erkennen Sie unseriöse Angebote
- Caritas — Schuldnerberatung (kostenlos, finanziert über Zuschüsse der Städte und Gemeinden)
Redaktionell geprüft, Stand 9.8.2026. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung — bei Rechtsfragen hilft die Soforthilfe-Strecke mit Verweis auf Anwalt und Verbraucherzentrale.